Stadtrat wählt Beckedorf zur neuen Dezernentin

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37 Ja-Stimmen, 19 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen. Mit diesem Ergebnis wurde Konstanze Beckedorf (Parteilos) heute vom Rat der Stadt Hannover zur Dezernentin für das neue Ressort Soziales und Sport in der Landeshauptstadt gewählt. Damit folgte der Stadtrat dem Vorschlag von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). Beckedorf tritt ihr Amt am 1. März an. Die Juristin, Jahrgang 1960, wurde für die Dauer von acht Jahren gewählt.

Mit der Wahl von Beckedorf zur Sozial- und Sportdezernentin ist die von OB Schostok im vergangenen Jahr eingeleitete Neusortierung der Dezernate abgeschlossen. In ihrer Rede vor dem Stadtrat sagte Beckedorf, dass mit dem Dezernat eine neue Struktur für Soziales und Sport geschaffen werde, die aber keine Gewichtung der Bereiche beinhalte. Beckedorf warb in ihrer Rede vor dem Rat um ein „Klima der offenen und vertrauensvollen Kommunikation aller“, um die neue Dezernationsstruktur im Rathaus gemeinsam leben zu können.

Weiter sagte Beckedorf, sie wolle die sozialpolitische Konturen, die in Hannover eine lange Tradition haben. „schärfen, prägen und weiter entwickeln“. Beckedorf verwies auf die Bedeutung von Teilhabe, Inklusion und Integration für die Bereiche Soziales, Senioren und Sport.  Hier liege Verantwortung für das Funktionieren einer Stadtgesellschaft. „Keine soziale Gruppe darf benachteiligt werden. Das ist schädlich für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft“, sagte Beckedorf.

Im Bereich der Seniorenarbeit sei es wichtig, dass Strukturen für ein selbstbestimmtes Leben in der Häuslichkeit und in den Quartieren gefördert werden. Zur Integration von Flüchtlingen, so Beckedorf, sei es unerlässlich, Wohnungen zu schaffen, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Weitere Aufgaben seien, Bildung, Teilhabe und Arbeit zu vermitteln. Hierin sieht Beckedorf eine dezernatsübergreifende Aufgabe, wobei die Kernzuständigkeit im sozialen Bereich liege. Die Leistung von Ehrenamtlichen sei unverzichtbar, aber man dürfe sie nicht ausnutzen und ihnen die Aufgaben von Hauptamtlichen aufbürden. Ein weiteres Anliegen von Beckedorf ist, Behinderte den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Die Erwerbsarbeit ist eine Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben“, sagte Beckedorf und erntete Applaus aus den Reihen der SPD und Grünen.

Die SPD-Ratsfraktion begrüßte die Wahl von Konstanze Beckedorf. „Der Rat der Stadt Hannover hat heute eine ausgezeichnete Entscheidung getroffen“, sagten Gudrun Koch, sozialpolitische Sprecherin, Lars Kelich, integrationspolitischer Sprecher und Peggy Keller, sportpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion. Beckedorf überzeuge durch großes Engagement und Fachkompetenz.

Die CDU-Ratsfraktion hatte gestern bereits mitgeteilt, dass sie die Arbeit von Konstanze Beckedorf als Sozial- und Sportdezernentin „sehr kritisch“ begleiten werde. Beckedorf übernimmt in Teilen die Dezernatszuständigkeit von Thomas Walter (CDU), der Mitte Februar aus seinem Amt als Sozialdezernent der Stadt Hannover nach 22 Jahren ausgeschieden ist. Walter war zuständig für die Fachbereiche Soziales, Jugend, Familie und Senioren. Er hatte sich kritisch zu der Neuordnung der Dezernate durch OB Schostok geäußert und sich nicht um eine weitere Amtszeit beworben.

Ab 1. März geht der Bereich Jugend und Familie in das seit dem 1. November 2015 bestehende Bildungsdezernat über. Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski beerbte wiederum in Teilen die frühere Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann. Um die Kultur kümmert sich nun Harald Härke, der auch für Personal zuständig ist. Und Konstanze Beckedorf leitet neben dem Sozialen auch den Sportbereich, der bis dato im Zuständigkeitsbereich des Oberbürgermeisers lag. Die CDU lehnte die Umverteilung ab.

Konstanze Beckedorf war seit 2006 als Erste Gemeinderätin bei der Gemeinde Wedemark tätig. Sie ist unter anderem Mitglied im Verwaltungsausschuss der Bundesagentur für Arbeit und Vorsitzende der Stiftung für Menschen mit Behinderung in der Wedemark.