Podiumsdiskussion: „Erstickt Limmer im Verkehr?“

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Die wohl wichtigste Frage stellte Moderator Harald Grube den Gästen auf dem Podium, allesamt verkehrspolitische Sprecher ihrer Fraktionen, in der Abschlussrunde der rund dreistündigen Veranstaltung: „Welche Visionen haben Sie für Limmer in zehn Jahren?“ Ekim Bulut (FDP), Bezirksratsherr in Linden-Limmer, möchte die Schadstoffbelastung mindern. Helfen sollen dabei aufgestellte Mooswände, die die Schadstoffe aus der Luft filtern und eine grüne Welle für Autofahrer. Ratsfrau Georgia Jeschke (CDU)  begrüßte den Ausbau von CarSharing. Außerdem fand sie den Vorschlag gut, am „Deutschen Eck“ eine Radwegbrücke über den Stichkanal zu bauen. Diese Idee ist ein Ergebnis des Verkehrs-Workshops der BI Wasserstadt Limmer. Ratsfrau Elisabeth Clausen-Muradian  (Grüne) hatte gleich fünf Vorschläge: Der Anteil des Radverkehrs beträgt in zehn Jahren 40 Prozent, es gibt eine gute ÖPNV-Anbindung, Tempo-30-Zonen in der Wasserstadt, gut angenommene CarSharing-Modelle und eine Zunahme von E-Mobilität, sowohl auf zwei als auch auf vier Räder. Ratsherr Lars Kelich (SPD) setzte auf bezahlbare Mobilität und ein gutes ÖPNV-Netz. Wichtig war Kelich, dass Fußgänger gegenüber Rad- und Autofahrer nicht benachteiligt werden. Thomas Ganskow (Piratenpartei), Bezirksratsherr in Linden-Limmer, visionierte weniger Autos, dafür mehr E-Mobilität, einen guten ÖPNV und insgesamt weniger Luftverschmutzung.

Den Statements der Kommunalpolitiker war eine lebhafte Debatte mit Bürgerinnen und Bürgern über die künftige Verkehrssituation in Limmer vorausgegangen. Die Wasserstadt Limmer soll rund 3.000 Menschen beherbergen. Mehr Menschen, mehr Verkehr, befürchten Anwohner. Und dem Verkehr müsse vernünftig und vorausschauend mit innovativen Maßnahmen begegnet werden. Auf Initiative der Bürgerinitiative (BI) Wasserstadt hatte der Bezirksrat Linden-Limmer die Stadtverwaltung aufgefordert, ein Stadtteilverkehrskonzept zu erstellen. Die Verwaltung hingegen sieht keinen Bedarf für ein solches Konzept. Daraufhin lud die BI Wasserstadt interessierte Bürger Ende August zu dem Workshop „Erstickt Limmer im Verkehr?“ ein. Über die Ergebnisse wurde am Dienstag (5.09.) im Gemeindehaus St. Nikolai diskutiert.

Politik ist kein Wünschdirwas, sondern
die Kunst des Machbaren. Lars Kelich, SPD-Ratsherr

Die Eigeninitiative der Bürger wurde von den Verkehrsexperten auf dem Podium durchaus begrüßt. Aber es gab auch Einschränkungen. „Ich finde es nicht vernünftig, Limmer isoliert zu betrachten“, sagte Ratsherr Kelich. Auch andere Stadtteile im Westen seien von dem Verkehr betroffen. Dass die Bürger vor Ort Ideen entwickeln, fand auch die Grüne Clausen-Muradian gut. „Aber wir können hier keine Zusagen machen. Es muss Planungen geben“, sagte Clausen-Muradian.

Und an diesen Planungen, das wurde in der Debatte deutlich, wären zahlreiche Akteure beteiligt: Stadt und Region Hannover, Üstra und regiobus. Der Bund wäre ebenfalls mit im Spiel. Er wäre zuständig für die Prüfung, ob die Wunstorfer Straße als Bundesstraße herabgestuft werden kann. Dieser Wunsch wurde schon häufig von Anwohnern der Wunstorfer Straße wegen der hohen Verkehrsbelastung geäußert. Ein entsprechender Antrag der Stadt Hannover wurde vor einigen Jahren abgelehnt. „Wir können das noch mal versuchen“, stellte SPD-Ratsherr Kelich in Aussicht.

„Die verschiedenen Zuständigkeiten sind ein Problem“, sagte Bezirksratsherr Ganskow. Möglichst schnell müsse man die Akteure an einen Tisch bringen. „Wenn das Verkehrskonzept gewünscht ist, sollte die Verwaltung es auch umsetzen“, sagte Ganskow. Es werde jetzt wohl ein Wettlauf der Parteien geben, wer zuerst den Antrag im Rat stelle. „Das wird dann wohl meine Gruppe (Piraten und Linke) machen“, sagte Ganskow.

Die Vorstellung der Ergebnisse des Workshops folgt.