Neubau Fössebad: Protest und Zustimmung im Bezirksrat

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Die Neubaupläne für das Fössebad sind im Bezirksrat Linden-Limmer auf geteilte Meinung gestoßen. „Wir sind von den Plänen ausgesprochen begeistert. Damit kommen wir einen Riesenschritt voran“, sagte Eike Geffers, Vorsitzender der SPD-Fraktion. Zwei Haare in der Suppe fand Geffers aber doch. Im neuen Fössebad wird es kein Freibecken mehr geben und für den Musikclub Chéz Heinz ist auch kein Platz vorgesehen. Aber, so Geffers, über Details solle in der heutigen Sitzung (10. Mai) noch gar nicht gesprochen werden. Das Vorhaben werde nur ja vorgestellt.

Fössebad ist als alternative Wettkampfstätte zum Stadionbad geplant

Nach den Details fragten hingegen andere Bezirksratsmitglieder sehr genau. Und auf ein breites Unverständnis stieß der Plan der Stadt, in Linden-Limmer ein wettkampfgeeignetes Sportbad mit einer 50-Meter-Bahn errichten zu wollen. Vermisst wurden Konzepte für den Verkehr und Vorschläge für familienfreundliche Sportangebote, die im Stadtbezirk gewünscht seien. „Sie können sich auf erheblichen Protest der Bevölkerung gefasst machen, wenn das Freibad wegfällt“, sagte Ludwig List, Linke, in Richtung der Verwaltung. Nach den Vorstellungen der Stadt soll das neue Fössebad eine alternative Wettkampfstätte zum Stadionbad werden. Das denkmalgeschützte Stadionbad muss aufgrund von Sanierungsarbeiten für rund 1,5 Jahre geschlossen werden und, falls keine Alternative vorhanden sein sollte, können in diesem Zeitraum in Hannover keine Schwimmwettkämpfe ausgerichtet werden.

In der intensiven Fragerunde wollte Daniel Gardemin, Grüne, von den Verwaltungsvertretern wissen, ob auf das Freibad zugunsten der geplanten Wohnungen verzichtet wurde und wie viele Wohnungen gebaut werden sollen? Denn in allen vorherigen Planungsvarianten, so Gardemin, sei das Freibad mit einem 25-Meter-Becken enthalten gewesen. Und David Müller, Linke; fragte, warum auf eine Sauna verzichtet wurde?

Die Vertreter der Verwaltung waren bemüht, Antworten zu liefern. In der Fössebad-Sauna seien rund 7.000 Besucher pro Jahr gezählt worden.Das sei zu wenig, um eine Sauna wirtschaftlich zu betreiben. (Zum Vergleich: Die Sauna im Misburger Bad wird von 28.000 Gästen im Jahr besucht). Zum Wohnungsbau konnten die Verwaltungsvertreter noch nicht viel sagen, Detailplanungen gebe es noch nicht. Und auf das Freibad im Fössebad sei verzichtet worden, weil es nicht sanierungsfähig sei. Außerdem verfüge Hannover laut einer Studie (2013) der Gesellschaft des Deutschen Badewesens über ein sehr dichtes Freibadenetz. In Hannover betrage die Freibadefläche pro 1.000 Einwohner 24 m², im Bundesdurchschnitt 20 m².

Die vielfach geäußerte Kritik an der geplanten Finanzierung im ÖPP-Verfahren griff  Stefan Bär vom städtischen Gebäudemanagement auf. Per Ausschreibung werde ein Anbieter ermittelt, der im städtischen Auftrag das Projekt umsetze, erklärte Bär. Das Vorgehen sei für die Stadt effizienter als Aufträge an mehrere Anbieter zu vergeben. Die entstandenen Kosten zahle die Stadt in einem festgelegten Zeitraum zurück. Außerdem könne die Stadt ein ÖPP-Modell nur dann vorschlagen, wenn andere Finanzierungsvorhaben geprüft und im Vergleich weniger gut abgeschnitten hätten. Eine gesonderte Drucksache über die Finanzierung solle noch folgen.

Als Alternative zur Freibadefläche im Fössebad wurde von der Verwaltung das Volksbad Limmer vorgeschlagen. Ist bekannt, dass das Volksbad ebenfalls sanierungsbedürftig ist und wurde die Hochwassergefährdung geprüft, fragten Bezirksratsmitglieder. Antwort der Verwaltung: Das Volksbad habe noch Kapazitäten und von einer Gefährdung durch Hochwasser wisse man nichts. (Im Jahr 2013 wurden die Becken im Volksbad durch das Hochwasser der Leine verdreckt. Anm.d.Red.).

Was wird aus Chéz Heinz?

Das neue Fössebad soll voraussichtlich 2021/2022 fertig sein. Im Anschluss soll der Altbau abgerissen werden. Was dann aus dem Musikclub Chéz Heinz wird, der im Keller untergebracht ist, ist offen. Jürgen Grambeck vom Veranstaltungsteam sagte in der gestrigen Sitzung, dass erste Gespräche mit der Verwaltung stattgefunden hätten, „Wir haben vorgeschlagen, den Keller und das Erdgeschoss stehen zu lassen. Dann können wir weiter den Keller nutzen und im Erdgeschoss könnte zum Beispiel eine Musikschule einziehen“, sagte Grambeck. Die erforderlichen Bauarbeiten hinsichtlich Strom, Fluchtwege und Brandschutz könnten über die Miete finanziert werden, die Chéz Heinz zahle. „Grundsätzlich ist es machbar, den Keller und das Erdgeschoss stehen zu lassen“, sagte der Verwaltungsvertreter Bär. Aber die Drucksache sehe den Erhalt von Chéz Heinz an diesem Standort nicht vor. Der finanzielle Aufwand sei zu hoch.

Entscheidung noch vor der Sommerpause

In der gestrigen Sitzung wurde das Bauvorhaben von der Verwaltung im Bezirksrat vorgestellt. In einer Sondersitzung am 7. Juni wird das Gremium über die Drucksache entscheiden. Noch vor der Sommerpause soll über die Drucksache in der Ratsversammlung, die am 15.Juni tagen wird, abgestimmt werden. Dass nach Jahren des Stillstands so viel „Druck auf die Entscheidung“ ausgeübt werde, ärgerte Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. „Wenn wir am 7. Juni keine Entscheidung treffen, sind wir aus den Planungen raus“, sagte Grube.

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