Nebenan.de: Mini-„Facebook“ nur für Nachbarn

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„Hallo liebe Nachbarn in Limmer, wir würden uns freuen, mehr mit euch in Kontakt zu treten!“ steht in großen Buchstaben auf dem DIN-A4-Zettel, den in der vergangenen Woche zahlreiche Bewohner in Limmer in ihren Briefkästen gefunden haben. In knappen Sätzen lädt „Sabine aus der Hufelandstraße“ ihre Nachbarn ein, sich bei der Internetplattform „nebenan.de“ anzumelden. Dort könne man „sich gegenseitig aushelfen und kennen lernen“.

Nebenan.de funktioniert vom Prinzip her ähnlich wie das soziale Netzwerk Facebook, nur im Kreis der lokalen Nachbarschaft. Wer Zucker und Mehl zum Backen braucht, eine Bohrmaschine benötigt oder einfach nur quatschen will, klingelt nicht mehr nebenan und verstrickt Nachbarn im Treppenhaus in Gespräche, sondern postet seine Wünsche auf nebenan.de. „Unser Ziel ist, dass Menschen ihre Nachbarschaft lebendig gestalten und nicht mehr anonym nebeneinander wohnen“, erklärt Ina Brunk von nebenan.de. Brunk gehört zum sechsköpfigen Gründerteam des Berliner Startup. Seit Mitte Dezember 2015 sind sie online, bieten bundesweit ihre Idee der Nachbarschaft 2.0 an, die sich idealerweise im analogen Leben fortsetzen soll. Es existieren bereits Nachbarschaften in zahlreichen Städten. Seit etwa sechs Wochen ist nebenan.de in Hannover präsent. 15 digitale Nachbarschaften haben sich hier gegründet. Die zurzeit mitgliederstärkste Gruppe ist in der List mit rund 300 Nachbarn aktiv. In Limmer sind binnen weniger Tage mehr als 60 Personen der Einladung von Nachbarin Sabine gefolgt.

Nix ‚hasi73‘: Wer mitmachen will, nennt seinen richtigen Namen

Der große Unterschied zu Facebook sei, erklärt nebenan-Mitgründerin Brunk, dass sich nur „echte Anwohner“ zu den jeweiligen Nachbarschaften anmelden könnten. „Bei Facebook treffen sich Leute, die sich meist schon kennen. Wir wollen Menschen zusammen bringen, die bisher noch nichts miteinander zu tun hatten“, sagt Brunk. Wer mitmachen will, muss sich mit seinem richtigen Namen registrieren. Einen User namens „hasi73“ wird man demnach auf nebenan.de vergebens suchen. Ebenso erforderlich ist die Angabe einer postalisch korrekten Meldeadresse, die von nebenan.de geprüft wird. Beim Datenschutz und bei den Nutzungsrechten, so Brunk, richte man sich als deutsche Gesellschaft nach dem hiesigen Recht. Das bedeute unter anderem, dass die Nutzer ihre Rechte an den geposteten Inhalten und Fotos behalten würden. Außerdem müsse niemand Bedenken haben, dass er von Externen auf nebenan.de gefunden wird. „Die Suchmaschine Google liest auf unserer Seite nicht mit“, betont Brunk.

Für Privatleute kostenlos, Handel und Gewerbe zahlen

Nebenan.de hat sich als Sozialunternehmen gegründet, muss aber, um überleben zu können, Gewinne erzielen. Das bedeutet, dass die Teilnahme für Privatpersonen an dem Online-Nachbarschaftsnetzwerk kostenlos ist, Dienstleister und Händler hingegen sollen für ihre Präsenz zahlen. Details dazu stehen aber noch nicht fest. „Wir arbeiten an einem feinen Konzept, um das lokale Gewerbe einzubinden“, sagt Brunk. Es passe nicht zur Idee von nebenan.de, Werbeanzeigen von großen Onlinehändlern zu schalten. „Wir wollen dem lokalen Gewerbe mit digitalen Mitteln die Aufmerksamkeit wiedergeben, die ihnen weggenommen wurde“, erklärt Brunk. Zurzeit arbeiten rund 20 Mitarbeiter für nebenan.de. Das Unternehmen finanziert sich mithilfe von Investoren und sogenannten ‚Business Angels‘. Das sind private Unternehmer, die Startups mit Geld und Erfahrungen unterstützen. www.nebenan.de. Ein vergleichbares digitales Nachbarschaftsportal ist www.wirnachbarn.com.