Fössebad: Bezirksrat fordert Freibad, Sprungturm und Erhalt von Chéz Heinz

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Der Bezirksrat Linden-Limmer will die vorgelegten Neubaupläne der Verwaltung zum Fössebad nicht akzeptieren. Diese beinhalteten ein wettkampftaugliches 50-Meter-Sportbecken, aber kein Freibad, keine Sauna und kein Café. In Linden-Limmer wird das Vorhaben zum Teil heftig kritisiert. Die Stadtteilpolitiker fordern nun ein Freibadebecken mit rund 500 m² Wasserfläche mit Rutschanlage bzw. die Sanierung des bestehenden Beckens, einen 1- und 3- Meter-Sprungturm im Hallenbad und ein Konzept für den Erhalt des Kulturzentrums Bei Chéz Heinz am jetzigen Standort. Das beschloss der Bezirksrat Linden-Limmer mit großer Mehrheit in seiner gut besuchten Sondersitzung am Mittwoch (7. Juni).  Damit hatte sich das Gremium auf einen Vorschlag verständigt, der auf einen Änderungsantrag der Grünen beruht. Die SPD begrüßt grundsätzlich das städtische Vorhaben (Geffers: „Wir wollen, dass es endlich losgeht“), wollte aber in einem eigenen Antrag die Verwaltung zumindest auffordern, den Bau eines Freibades zu prüfen. Sogar in der eigenen Fraktion fand der SPD-Antrag keine Mehrheit. Stefan Müller und Cornelia Schweingel (beide SPD) stimmten für den Antrag der Grünen.

„Das Außenbecken rechnet sich einfach nicht“, Sabine Tegtmeyer-Dette

Der Entscheidung im Bezirksrat vorangegangen war eine fast zweistündige und sehr lebhafte Debatte, an der sich auch zahlreiche Bürger beteiligten. Dass in den Neubauplänen der Verwaltung überraschenderweise kein Freibad auftauchte, hat im Stadtbezirk für Unmut gesorgt. Linden-Limmer wachse, die Einwohner wünschten sich ein familienfreundliches Freibad in ihrem Wohnumfeld und das Volksbad Limmer sei keine ausreichende Alternative. lautete die Kritik. Die bekam auch Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne), Hannovers Erste Stadträtin und Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt, zu hören. Tegtmeyer-Dette war extra angereist, um die Pläne vorzustellen. Das Konzept für das Fössebad müsse im gesamtstädtischen Kontext betrachtet werden, erklärte Tegtmeyer-Dette. Es gelte zahlreiche Bedürfnisse zu berücksichtigen und zu finanzieren. Ein Außenbecken koste rund zwei Millionen Euro und in der Folge würden Betriebskosten in sechsstelliger Höhe entstehen. Die Erfahrung zeige, dass ein Freibadebecken durchschnittlich nur sechs Wochen im Jahr intensiv genutzt werde. „Das Außenbecken rechnet sich einfach nicht“, sagte Tegtmeyer-Dette. Man prüfe aber noch die Möglichkeit, ein sogenanntes „Cabrio-Dach“ im Hallenbad einzubauen. Die Fössebad-Besucher könnten dann direkt von der Liegewiese in das Hallenbad gehen. Das Cabrio-Dach schaffe „Freibadflair“. so Tegtmeyer-Dette.

Das Publikum war von den Argumenten nicht überzeugt. „Ich will nicht das Freibad und die Sauna für ein 50-Meter-Sportbecken opfern“, sagte eine langjährige Nutzerin des Fössebades.

Ernst Barkhoff vom Förderverein Fössebad bedauerte, dass in der Diskussion Familienbad und Sportbad gegeneinander ausgespielt werde. „Wer Ja zum Sportbad sagt, sollte .auch Ja zum Freibad sagen“, so Barkhoff. Die finanziellen Engpässe, die als Begründung für den Verzicht auf ein Freibad genannt wurden, nannte Barkhoff „gedankliche Engpässe“. Durch Vereinsarbeit und bürgerschaftliches Engagement in den vergangenen 20 Jahren sei der Neubau des Fössebades längst finanziert, so Barkhoff. Die Argumente der Verwaltung seien nicht belastbar. „Der Bezirksrat sollte statt Klein-Klein-Anträge zu diskutieren darauf bestehen, dass die Bürger und ihr Engagement ernst genommen werden“, sagte Barkhoff.

Bernd Seidensticker, Betreibergesellschaft Fössebad und Waspo-Vorsitzender, bedauerte das „populistische Gerede über ein Leistungssportbad“. Im neuen Fössebad sei das Wettkampfbecken zwar ein Plus, aber ginge nicht nur um Leistungssport, sondern auch mehr Wasserflächen für Schulen, Vereine und Besucher. „Das Bad ist für alle“, sagte Seidensticker, Er habe nichts gegen ein kleines Freibad, aber es müsse finanzierbar sein und das geplante Hallenbad dürfe nicht kleiner ausfallen.

Sportbad ist ein Sonderwunsch, nicht das Freibad

Jörg Schimke, Initiator der Online-Petition zum Erhalt des Fössefreibades, kritisierte, dass so getan werde als ob die Einwohner von Linden-Limmer Sonderwünsche anmeldeten. „Das stimmt nicht. Das Sportbad ist ein Sonderwunsch“, sagte Schimke. In allen vier Fössebad-Varianten, die im vergangenen Jahr auf der Grundlage des städtisches Bäderkonzeptes präsentiert wurden, sei immer ein Freibad enthalten gewesen. „Es ist in Ordnung, wenn die Stadt ein Sportbad bauen will, aber die Bürgerwünsche sollten auch berücksichtigt werden“, so Schimke.

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