Flüchtlingsfrauen in hannoverschen Unterkünften offenbar sicher

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Die Situation von Frauen und Familien in hannoverschen Flüchtlingsunterkünften wird von der Verwaltung als positiv bewertet. In 2015 soll es zu zwei Vorfällen gekommen sein, in denen Frauen Gewalt erfahren haben. In diesem Jahr wurde bisher ein Fall bekannt. In einer Unterkunft wurde eine Schwangere von ihrem Mann geschlagen. Der Mann wurde in anderes Heim verlegt. „Wir reagieren kurzfristig, sobald wir Kenntnis von der Schutzbedürftigkeit der Personen haben“, berichtete Marc Schalow, zuständig für die Flüchtlingsunterbringung bei der Stadt Hannover, heute in der Sitzung des Gleichstellungsausschusses.

„Wer schlägt, muss gehen“.

Schalow sagte, dass er an diesem Bespiel etwas Neues gelernt habe. „Wer schlägt, muss gehen“. Dieser Grundsatz des Gewaltschutzprogrammes zur Bekämpfung von  häuslicher Gewalt war dem Verwaltungsmann bis dahin unbekannt.

In Hannover werden, anders als in anderen Städten, Frauen und Familien in Trakten mit getrennten Zugangssystem untergebracht, erklärte Schalow am Beispiel der ehemaligen Oststadtkrankenhauses, in dem zur Zeit rund 900 Flüchtlinge untergebracht sind. Es gebe nach Geschlechtern getrennte Sanitäranlagen, die abschließbar seien. In Turnhallen hingegen, die noch bis zum Sommer als Notunterkünfte dienen sollen, seien nur Männer untergebracht.

Paul Burkhard Schneider vom Fachbereich Soziales, Migration und Integration betonte, dass man bei allen schutzbedürftigen Gruppen, auch bei Kindern in Familien, genauer hinschauen müsste. Die Betreiber der Einrichtungen seien vertraglich von der Stadt Hannover dazu verpflichtet worden, eigene SozialarbeiterInnen zu beschäftigen. Diese seien in der Regel nur werktags in den Unterkünften anzutreffen, genau wie die Mitarbeiter des städtischen Integrationsmanagement. Am Wochenende sind Sicherheitskräfte in den Heimen präsent.

Ist es für Sozialarbeiterinnen problematisch mit männlichen Flüchtlingen zu arbeiten? Schneider sagt Nein. Sozialarbeiterinnen in Hannover betreuen auch Männer. Wichtig sei, so Schneider, dass die Frauen in den Heimen nicht allein unterwegs sind.

Eine Frage des Auftretens – Sozialarbeiterinnen werden wohl in hannoverschen Unterkünften von Männern akzeptiert

Auch Petra Nolte-Porteous, Leiterin des Integrationsmanagement, konnte nichts über auftretende Akzeptanzprobleme der Betreuerinnen, wie in den bundesweiten Medien häufiger dargestellt, berichten. „So etwas habe ich in Hannover noch nicht erlebt“. Nolte-Porteaus wollte aber nicht ausschließen, dass es solche Fälle geben kann, auch wenn sie ihr nicht bekannt seien. „Es kann gut sein, dass Frauen in reinen Männerunterkünften im Einsatz sind. Sie können in Konfliktsituationen beruhigend einwirken“, sagte Nolte-Porteaus. Die Situation in den Hallen sei für die Flüchtlinge nicht einfach. Sie hätten kaum Privatspäre. Ärger gebe es meist wegen Leistungskürzungen. Verursacher seien in Zweidrittel der Fälle sogenannte Krachmacher. „Hier Grenzen setzen zu können, ist eine Frage des eigenen Auftretens“, sagte Nolte-Porteaus.

„In den Stellenausschreibungen für Sozialarbeiter sind Erfahrung in der Arbeit mit Gewalt kein Thema“, sagte Schneider vom FB Soziales. Sonst sei es noch schwieriger geeignete Sozialpädagogen zu finden. Der Markt sei leer gefegt.

Flüchtlinge in Hannover: Daten und Zahlen

81 % Männer
19 % Frauen

Alter

85 % älter als 18 Jahre
5 % zwischen 0 – 2 Jahre
3 % zwischen 3 – 5 Jahre
3 % zwischen 6 – 9 Jahre
2 % zwischen 10 – 14 Jahre
2 % zwischen 15 – 17 Jahre

Nationalität

Die Flüchtlinge stammen aus 60 Nationen. Darunter

15 % Sudan
14 % Irak
14 % Syrien
9 % Afghanistan

Zahl der Flüchtlinge (Stand: 7.März 2016)

4788 Personen, davon:
2207 Personen im Asylverfahren
2172 Personen geduldete Flüchtling (nicht ausreisepflichtig)
409 Personen als Flüchtlinge anerkannt (positiver Asylbescheid)

Bis zum 30. April 2016 rechnet man bei der Stadt Hannover damit, noch weitere 5958 Personen per Zuweisung über den Königsteiner Schlüssel unterbringen zu müssen.

Aktuelle Informationen zur Flüchtlingssituation in der Landeshauptstadt sind auf www.hannover.de zu finden.

Informationen zum Projekt „Wer schlägt, muss gehen“ der niedersächsischen Landesregierung gibt es hier.