200 Bürger informieren sich über Flüchtlinge im Maritim

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Wie viele Flüchtlinge ziehen in das Maritim? Bis zu 550 Personen. Wer kommt? Einzelreisende und Familien. So genau weiß es keiner. Wie kann man helfen? Unterstützerkreise bieten Plattformen. Rund 200 BürgerInnen informierten sich heute im Rathaus über die neue Flüchtlingsunterkunft, die im ehemaligen Maritim-Hotel am Friedrichswall in kürze eröffnet wird. Probleme mit der neuen Unterkunft sahen die zuständigen Vertreter aus Kommunalpolitik, Verwaltung und der Polizei nicht. Der Stadtbezirksrat Mitte hatte zur öffentlichen Runde in den Mosaiksaal eingeladen. Die Stimmung war freundlich und entspannt. Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche Bürger, die nach eigenem Bekunden bereits ehrenamtlich Flüchtlinge unterstützen.

Mit der Unterkunft in der Innenstadt von Hannover und gegenüber dem Neuen Rathaus werden die Flüchtlinge im Stadtbild präsenter. Darüber machten sich auch die Zuhörer Gedanken. „Wie verhält sich die Verwaltung, wenn der Trammplatz vor dem Rathaus künftig voller Menschen ist und dort mehr Bewegung entsteht“, wollte eine Frau wissen. „Der Trammplatz ist eine öffentliche Fläche“, sagte Claudia Göttler, die für den Bereich Mitte als Stadtbezirksmanagerin zuständig ist. Es sei nicht verboten, Fußball zu spielen und sich dort aufzuhalten. Das gelte auch für den Maschpark. Sie hoffe aber, so Göttler, dass nicht noch mehr öffentlich gegrillt werde. Mehrsprachige Hinweisschilder könnten helfen.

Die Details zur neuen Flüchtlingsunterkunft

Flüchtlinge: Im früheren Maritim ist Platz für rund 500 bis 550 Personen. Wie viele Menschen dort einziehen werden, hängt davon ab, ob Alleinreisende oder Familien untergebracht werden müssen. Bei den Menschen kann es sich um Personen handeln, die von einer anderen Notunterkunft wie der Messehalle 27 verlegt werden oder um „Neuzugänge“ in Hannover.

Unterkunft: Die Belegung des Maritim soll voraussichtlich bis Ostern erfolgen.  Die Landeshauptstadt hat das Gebäude zum Zweck der Flüchtlingsunterbringung für zwei Jahre gemietet. Zur Mietsache gehören außer den Zimmern auch sechs Konferenzräume, die mit Pinwand, Flipcharts und Whiteboards ausgestattet sind. Sprachkurse können somit in der Unterkunft angeboten werden. Die frühere Hotelküche hat die Stadt Hannover nicht gemietet.

Betreuung: Die Betreuung der Flüchtlinge übernimmt voraussichtlich das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das bereits mehrere Unterkünfte in Hannover betreibt. Über die abschließende Vergabe der Unterkunft an einen Betreiber entscheidet der Rat der Stadt Hannover in seiner Sitzung am Donnerstag, 17. März.

Das DRK will, vorausgesetzt es erhält den Zuschlag, zehn SozialarbeiterInnen und sechs FlüchtlingshelferInnen im ehemaligen Hotel einsetzen. Das teilte die künftige Leiterin der Unterkunft, Pauline Andrzejewski, mit. Die Flüchtlingshelfer verfügten häufig persönlich über einen Migrationshintergrund und könnten sprachlich vermitteln. Mitarbeiter des Integrationsmanagements der Stadt Hannover seien ebenfalls vor Ort.

Sicherheit: Der hannoversche Securitydienst Schmalstieg, ebenfalls mit Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingsunterkünften, wird mit fünf Wachleuten rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche im ehemaligen Hotel für die Sicherheit sorgen. Die Schmalstieg-Mitarbeiter sind speziell geschult. Ein Sicherheitskonzept liegt vor. Die Polizei Hannover sieht mit der Belegung des Hauses keine größeren Probleme auf sich zu kommen, sagte Axel Borgfeld von der Polizeidirektion Hannover. Kriminelle Taten von Flüchtlingen seien zahlenmäßig gering. Oft handele es sich dabei um Delikte wie Schwarzfahren oder Ladendiebstahl.

Unterstützer: Renée Bergmann vom Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover informierte über die Arbeit und die Aufgaben, die ehrenamtliche Helfer übernehmen können. So vermitteln Freiwillige als sogenannte Sprachbegleiter in Deutschkursen „Alltagsdeutsch“. Diese Tätigkeit sei nicht mit dem professionellen Unterricht eines Lehrers zu vergleichen, helfe aber den Flüchtlingen, Kontakt in die Gesellschaft zu bekommen. Wichtig seien auch Hilfen und Begleitung bei Arzt- und Behördengängen. Von besonderer Bedeutung, so Bergmann, sei das Angebot einer Fahrradwerkstatt. Mobilität sei für Flüchtlinge von zentraler Bedeutung. Fahrkarten für Stadtbahnen und Busse in der Regel zu teuer. Über Details zur Einrichtung einer Fahrradwerkstatt und eines Fahrradparkplatzes berät zurzeit noch die Verwaltung. „Bei 550 Flüchtlingen kommen etliche Räder zusammen“, erklärte Stadtbezirksmanagerin Göttler.  Einen zweiten Bahnhofsvorplatz wolle man am Maritim vermeiden.

Der Nachbarschaftskreis Mitte unterstützt bereits seit dem vergangenen Jahr diverse Flüchtlingsunterkünfte im Stadtbezirk. Zurzeit seien rund 300 Leute aktiv, erklärte Anne Gast vom Nachbarschaftskreis. Über die klassischen ehrenamtlichen Aufgaben hinaus biete man auch Freizeitaktivitäten für Flüchtlinge an. Der Nachbarschaftskreis Mitte trifft sich am Donnerstag, 10. März und am 14. April jeweils um 19 Uhr in der Apostelkirche in der Gretchenstraße 55, 30161 Hannover. Kontakt: kontakt@nk-mitte.de

Mehr Informationen und Kontaktadressen gibt es auf der Internetseite des Unterstützerkreises Flüchtlingsunterkünfte Hannover.